Bis zum Morgengrauen wählte sie die Wahrheit – hoaiphuong

Die Vorratskammer roch nach Zwiebeln, Bleichmittel und altem Mehl. Für einen seltsamen Moment dachte Anna, wie gewöhnlich das war, angesichts der Tatsache, dass ein Mann zu ihren Füßen auf dem Boden lag und verblasste.

Sie legte die Zwillinge auf einen Stapel gefalteter Schürzen, ihre Hände zitterten so sehr, dass sie fast das kleinere Baby fallen ließ. Dann nahm sie zwei saubere Geschirrtücher und wickelte sie fester um die beiden.

Ein Baby hatte einen kleinen rosa Geburtsfleck nahe dem linken Ohr. Das andere hatte Daniels unmögliche blaue Augen, weit und wachsam, selbst während des Weinens.

„Okay“, flüsterte Anna, obwohl sie hauptsächlich zu sich selbst sprach. „Okay, okay, okay. Niemand wird sterben. Nicht heute Nacht. Nicht in meiner Vorratskammer.“

Daniels Seite war durchnässt. Der Schuss war tief eingetreten, genau über der Hüfte, und jeder Atemzug schien etwas tiefer in ihm aufzureißen.

Anna hatte keine medizinische Ausbildung, abgesehen von den Zwischenfällen im Diner: Verbrennungen von Kaffeekannen, aufgeschnittene Fingerkuppen, einer Spülmaschine, die aufgrund von zu viel Kokain und ohne Frühstück umgekippt war.

Trotzdem war Blutung Blutung. Sie griff nach einem sauberen Geschirrtuch, drückte es fest gegen die Wunde, und Daniel riss mit einem Laut des verschluckten Geschreis die Augen auf.

Seine Hand flog zu seiner Jacke. Zu der Waffe.

Anna packte sein Handgelenk, bevor er es heben konnte. „Wenn du das Ding noch einmal auf mich richtest“, sagte sie, die Stimme gebrochen, „schwöre ich, ich lasse deine Babys sich selbst benennen.“

Zum ersten Mal zog etwas Menschliches über sein Gesicht. Nicht genau ein Lächeln. Vielmehr der Schatten von jemandem, der sich erinnerte, wie es war, sich menschlich zu fühlen.

„Sie haben Namen“, sagte er.

„Großartig. Wunderbar. Sag mir die Namen, während ich dich am Leben halte.“

Sein Atem stockte. „Lucy. Caleb.“

Anna sah die Zwillinge an. Das Baby mit dem Geburtsfleck hatte aufgehört zu weinen und starrte sie mit feuchten, dunklen Wimpern an.

„Hallo, Lucy“, sagte Anna sanft. Dann zu dem Jungen: „Hallo, Caleb. Dein Vater macht diese Nacht sehr schwierig.“

Daniel hustete und zuckte zusammen. „Nicht mein—“ Seine Augen schlossen sich, er verlor den Rest des Satzes. Dann öffnete er sie wieder mit Kraft.

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