Du legst den blauen Ordner mit ruhiger Hand auf den polierten Mahagonitisch, und genau diese Ruhe verstört zuerst alle.
Nicht der Ordner selbst.
Nicht der Zeitpunkt.
Nicht einmal das Lächeln auf deinem Gesicht, klein und präzise wie die Klinge eines Brieföffners.
Nein – was den Raum erschüttert, ist, dass du nicht zerbrochen aussiehst. Du siehst nicht aus wie die trauernde Witwe, die ein letztes Mal durch die Grausamkeit eines toten Mannes gedemütigt wird. Du wirkst gefasst. Schlimmer noch: vorbereitet.
Gegenüber von dir flackert Ximena Ávilas triumphierender Ausdruck nur für einen Wimpernschlag, aber du bemerkst es. Du bemerkst heutzutage alles. Das ist eines der Geschenke des Verrats – wenn er dich nicht zuerst tötet, brennt er den Instinkt weg, wegzuschauen.
Der Notar, Licenciado Beltrán, räuspert sich und blickt zwischen dem Ordner und dem geöffneten Testament hin und her. Er ist ein vorsichtiger Mann, der leise spricht, weil er jahrzehntelang gesehen hat, wie Familien wegen Besteck, Urkunden, Gemälden und seit 1989 gärender Ressentiments kannibalistisch werden. Er merkt, dass sich etwas verändert hat. Die Luft, vor Augenblicken noch durch Ximenas billigen Triumph parfümiert, schmeckt jetzt metallisch.
„Was genau ist das?“ fragt er.
Du verschränkst die Hände.
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