„Du bist verpflichtet, deiner Mutter über jeden Schritt Rechenschaft abzulegen!“, schrie der Ehemann, ohne zu ahnen, dass seine Frau bereits eine Wohnung gemietet hatte und übermorgen umzieht.

Sweta holte eine Packung Kekse aus dem Schrank und legte sie auf einen Teller.

Sie brachte den Tee auf einem Tablett hinein.

Dann setzte sie sich den beiden Frauen gegenüber, die sie ansahen, als säße eine Angeklagte vor ihnen.

„Also, das wollte ich dir sagen“, begann Nina Wassiljewna und trank einen Schluck Tee.

„Igorchen hat sich bei mir beklagt, dass du irgendwie seltsam geworden bist.

Zerstreut.

Du gehst zu Ärzten.

Was ist mit dir?“

„Nichts Besonderes.

Nur eine Vorsorgeuntersuchung.“

„Vorsorgeuntersuchung“, äffte Lidija sie nach.

„In deinem Alter.

Vielleicht bist du schwanger?“

Sweta zuckte zusammen.

„Nein.“

„Und hast du dich untersuchen lassen?“, rückte Nina Wassiljewna näher.

„Vielleicht wird es langsam Zeit?

Igor ist zweiunddreißig, ich will Enkel.“

„Wir planen das noch nicht.“

„Ihr plant das noch nicht?“

Die Stimme der Schwiegermutter wurde härter.

„Wer hat euch denn gefragt?

Familie bedeutet Kinder.

Verstehst du das nicht?

Oder ist dir deine Karriere wichtiger?“

Sweta arbeitete als Administratorin in einem kleinen Schönheitssalon — drei Tage pro Woche, in der Frühschicht.

Igor verlangte ständig, dass sie kündigte, aber Sweta hielt durch.

Diese Arbeit war ihr einziger Lichtblick, der einzige Ort, an dem sie wenigstens ein bisschen atmen konnte.

„Ich verstehe“, antwortete Sweta leise.

„Dann wirst du diesen Salon bis Ende des Monats verlassen“, schnitt Nina Wassiljewna ihr das Wort ab.

„Du hast dort nichts zu suchen.

Zu Hause gibt es genug zu tun.

Schau dir nur mal diese schmutzigen Fenster an!

Wann hast du sie zuletzt geputzt?“

Sweta schwieg.

Lidija stand auf, ging durchs Zimmer und strich mit dem Finger über das Fensterbrett.

„Staub“, stellte sie fest.

„Ninochka, du hast recht.

Als Hausfrau taugt sie nichts.“

„Ich weiß“, seufzte Nina Wassiljewna.

„Aber was soll man machen?

Igorchen hat sie gewählt.

Jetzt muss man sie eben erziehen.“

Sie redeten über Sweta, als wäre sie gar nicht da.

Als wäre sie ein leeres Nichts.

Sweta saß da und hörte zu, wie zwei Frauen ihre Mängel besprachen, ihre Fehler aufzählten und ihr Leben planten.

In ihr brodelte alles, aber sie hielt sich zurück.

Noch zwei Tage.

Morgen war Sonntag, übermorgen Montag.

„Und ich habe auch gehört“, setzte Lidija sich wieder aufs Sofa, „dass du am Mittwoch in der Stadt herumgelaufen bist.

Mit irgendeiner Frau.

Wer war das?“

„Eine Studienkollegin.“

„Eine Studienkollegin“, kniff Lidija skeptisch die Augen zusammen.

„Und hast du es Igor gesagt?“

„Ja.“

„Und wie heißt sie?“

„Julia.“

„Julia“, wiederholte Nina Wassiljewna.

„Und der Nachname?“

„Weiß ich nicht mehr.“

„Du weißt ihn nicht mehr?“

Lidija grinste.

„Seltsam.

Du triffst eine Studienkollegin, quatschst mit ihr eine Stunde im Café, und den Nachnamen weißt du nicht mehr.“

Sweta spürte, wie der Boden unter ihren Füßen wegzog.

Eine Stunde im Café.

Woher wussten sie das?

Hatten sie sie wirklich beobachtet?

„Wir saßen nicht eine Stunde.

Höchstens zwanzig Minuten“, log Sweta.

„Du lügst“, stellte Nina Wassiljewna die Tasse mit einem lauten Knall auf den Tisch.

„Ich habe dich selbst gesehen.

Ihr saßt über eine Stunde da, habt über irgendetwas geflüstert und euch Notizen gemacht.“

Sweta erstarrte.

Notizen.

Die Vermieterin der Wohnung hatte die Daten und die Kontoverbindung für die Überweisung notiert.

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