Eine alte Frau nahm während eines heftigen Regengusses einen ehemaligen Häftling mit einer riesigen Tasche von der Straße auf, ohne auch nur zu ahnen, was ihr nur eine halbe Stunde später widerfahren würde
Siebzig Jahre — ein Alter, in dem viele zu Hause sitzen und Tabletten zählen. Doch diese ältere Frau stand jeden Tag hinter einem Marktstand. Sie verkaufte Gemüse, handelte, lächelte die Kunden an. Andere Angehörige hatte sie nicht mehr, deshalb musste sie bis heute arbeiten.
Das Auto war ihr von ihrem Mann geblieben — eine alte Limousine mit abgenutztem Lenkrad und quietschenden Türen.
An diesem Abend regnete es so stark, als hätte der Himmel beschlossen, die ganze Stadt wegzuspülen. Die Scheibenwischer kamen kaum hinterher, die Scheinwerfer der Autos verschwammen im Wasser, der Asphalt glänzte wie ein Spiegel. Sie fuhr langsam und hielt das Lenkrad fest, während sie sich daran erinnerte, wie ihr Mann ihr einst beigebracht hatte, keine Angst vor nasser Straße zu haben.
Und plötzlich bemerkte sie auf dem Gehweg einen seltsamen Mann.
Ein Mann mit rasiertem Hinterkopf, ganz tätowiert, mit einer großen schwarzen Tasche in der Hand. Viel zu leicht gekleidet für dieses Wetter. Das nasse T-Shirt klebte an seinem Körper. Wasser lief über sein Gesicht, seinen Hals, seine Arme. Er zitterte vor Kälte und hob die Hand, um Autos anzuhalten. Niemand hielt an. Die Menschen fürchteten sein Aussehen.
Auch sie fuhr zuerst vorbei. Doch nach ein paar Sekunden trat sie auf die Bremse. Mitleid war stärker als Angst.
Der Mann mit der Tasche trat vorsichtig an das Auto heran, beugte sich zum Fenster und bat darum, bis zum nächsten Motel mitgenommen zu werden. Gleich zu Beginn sagte er ehrlich, dass er gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war.
— Dort sind meine Sachen, — sagte er kurz und nickte zur Tasche.
Die Frau öffnete schweigend die Tür.
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