— Oh, hier ist es wenigstens sauber.
Gut gemacht, deine Ninka hast du ordentlich abgerichtet.
— Sie ging ins Wohnzimmer und ließ sich auf das Sofa fallen.
— Puh, ich bin völlig erledigt.
Die Fahrt war schrecklich, ich bin ganz durchgeschüttelt.
Hör mal, gib dem Fahrer fünfzig extra, er hat beim Hochtragen geholfen.
Dann sah sie sich genauer um und runzelte die Stirn.
— Warum ist es hier so leer?
Wo ist der Fernseher?
Wo ist die Stereoanlage?
— Den Fernseher haben wir gekauft.
Wir haben ihn mitgenommen.
Tamara Pawlowna erstarrte.
Ihre Augen wurden langsam größer.
— Wie bitte, mitgenommen?
Wohin mitgenommen?
Zur Reparatur?
— Nein, Mama.
In unsere neue Wohnung.
— Was für eine neue Wohnung? — sie richtete sich halb auf.
— Was redest du da?
Maxim ging langsam zum Küchentisch, nahm den Schlüsselbund und legte ihn vor seiner Mutter auf den Couchtisch.
Klirr.
— Du hast eine Bedingung gestellt, — sagte er klar und deutlich.
— „Ich ziehe zu euch, und wenn ihr dagegen seid, soll deine Frau die Wohnung räumen.“
Wir haben dich gehört.
Nina hat die Wohnung geräumt.
Und ich mit ihr.
— Du … du lässt mich im Stich? — zischte Tamara Pawlowna.
— Deine eigene Mutter?
Wegen dieser … dieser …
— Wegen meiner Familie.
Wegen meiner Frau und meines Kindes.
Du wolltest hier wohnen?
Dann wohn hier.
Die ganze Wohnung gehört dir.
Zwei Zimmer.
Küche.
Bad.
Genieß die Weitläufigkeit.
Niemand wird dich stören.
— Und wer soll für mich kochen?
Wer soll sauber machen?
Ich bin krank!
Ich habe Rücken!
— Du hast gesagt, dass dir langweilig ist und du Gesellschaft brauchst.
Ich denke, die wirst du finden.
Du bist schließlich eine sehr gesellige Frau.
Er drehte sich um und ging zur Tür.
— Stehenbleiben! — schrie die Mutter und sprang auf.
— STEHENBLEIBEN, HABE ICH GESAGT!
Du wirst es nicht wagen!
Komm sofort zurück!
Ich befehle es dir!
DU BENGEL!
Maxim blieb an der Tür stehen und zog seine Schuhe an.
Seine Hände zitterten nicht.
Er spürte eine merkwürdige Leichtigkeit.
— Ich habe Lebensmittel im Kühlschrank gelassen.
Für ein paar Tage reicht es.
Danach kümmerst du dich selbst.
Du bekommst eine Rente.
Die Rechnungen für die Nebenkosten kommen in den Briefkasten.
Vergiss nicht zu zahlen, sonst drohen Mahngebühren.
— Maximchen! — plötzlich wurde der Ton der Mutter weinerlich.
— Mein Sohn!
Meinst du das wirklich ernst?
Wie soll ich denn hier allein klarkommen?
In der großen Stadt?
Ich finde hier doch nicht einmal ein Geschäft!
— Du wirst es finden.
Tante Ljuda wird es dir erklären, sie weiß doch alles.
— Was hat denn Ludka damit zu tun! — kreischte sie.
— Das ist meine Wohnung!
Ich werde hier mit meinem Sohn leben!
— Nein.
Mit deinem Sohn wirst du nicht leben.
Du hast alles getan, damit dein Sohn hier nicht lebt.
Er öffnete die Tür.
— VERSCHWINDE! — schrie sie plötzlich, verfiel in Kreischen und benutzte genau jenen Jargon, den Nina so sehr verabscheute.
— Verzieht euch, ihr verkauften Kreaturen!
Ihr werdet noch angekrochen kommen!
Wenn ihr Hunger habt, werdet ihr angekrochen kommen!
Ich lasse euch, Mistkerle, ohne einen Pfennig zurück!
Ich streiche euch aus dem Erbe!
Ihr werdet als Obdachlose enden!
— Mach’s gut, — sagte Maxim leise und schlug die Tür hinter sich zu.
Das Klicken des Schlosses schnitt den Fluchstrom ab.
—
Die ersten paar Tage hielt sich Tamara Pawlowna mit purer Wut auf den Beinen.
Sie stolzierte wie eine Königin durch die Wohnung, trank Tee aus einer feinen Tasse und schimpfte laut vor sich hin über den undankbaren Sohn und die „listige Schlange“.
Sie rief ihre Schwester Ljudmila an.
— Stell dir vor, Ludka, sie sind verschwunden!
Haben einen Tobsuchtsanfall bekommen!
Sind weg!
— Dann sind sie eben Dummköpfe, — pflichtete Ljudmila ihr bei.
— Sollen sie doch herumirren und sich in Mietwohnungen quälen, das Geld wird ihnen schon ausgehen, und dann kommen sie geschniegelt zurück.
Und du genieß in der Zwischenzeit dein Leben.
Stadt, Zivilisation!
Doch genießen ließ sich nichts.
Die Stadt draußen vor dem Fenster rauschte mit einem fremden, feindseligen Leben.
Die Nachbarn auf dem Treppenabsatz grüßten nicht, sondern eilten ihren eigenen Angelegenheiten nach.
Im Laden fuhr die Kassiererin Tamara grob an, als sie mit der Karte zu lange herumhantierte.
Die Wohnung, die in ihren Träumen so begehrenswert gewesen war, entpuppte sich als Falle.
Ohne die Sachen des Sohnes und der Schwiegertochter wirkte sie tot.
Die leeren Regale fletschten nur noch ihren Staub.
Im Kinderzimmer, jenem Raum mit den rosa Tapeten und den gemalten Bären, war es besonders unheimlich.
Tamara betrat den Raum nur ein einziges Mal, sah den hellen Fleck auf dem Boden, wo das Kinderbett gestanden hatte, und öffnete die Tür danach nie wieder.
Es schien ihr, als blickten die gemalten Tiere sie vorwurfsvoll an.
Nach einer Woche wurde aus Wut Angst.
Das Geld schmolz dahin.
Die Preise in der Stadt waren bissig.
Für sich allein zu kochen war mühselig, und es schmeckte ohnehin nicht so gut wie bei Nina, auch wenn Tamara das niemals zugegeben hätte.
Der Rücken begann vom weichen Sofa zu schmerzen.
Sie versuchte, Maxim anzurufen.
„Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar.“
Dann rief sie von einer anderen Nummer an.
„Das Gerät des Teilnehmers ist eingeschaltet, aber er will nicht mit Ihnen sprechen“, meinte sie in den Signalen zu hören.
In Wirklichkeit hatte Maxim sie einfach auf die schwarze Liste gesetzt.
Zum ersten Mal in seinem Leben.
Die Einsamkeit legte sich wie eine Betonplatte auf sie.
Die Stille in der Wohnung klingelte in den Ohren.
Abends saß sie im Dunkeln, aus Angst, das Licht einzuschalten — Sparsamkeit! — und lauschte darauf, wie irgendwo ein Wasserhahn tropfte.
„Ich muss zurück“, beschloss sie nach zwei Wochen.
„Zum Teufel mit dieser Stadt.
Zu Hause habe ich wenigstens den Garten, wenigstens Galka … ach nein, Galka ist ja tot.
Na gut, ich finde schon jemanden.“
Sie wählte die Nummer ihrer Schwester.
— Ludka, hör zu.
Ich habe hier die Nase voll.
Es ist stickig.
Ich fahre zurück.
Bestell fürs Wochenende ein Auto.
Am anderen Ende herrschte plötzlich Schweigen.
Lang, zäh, drückend.
— Lud?
Hörst du mich?
— Ich höre dich, Toma … — die Stimme der Schwester hatte sich verändert.
Die Honigsüße war verschwunden, stattdessen war da Stahl und irgendein dreister Spott.
— Aber wohin willst du denn zurück?
— Wie wohin?
Nach Hause!
Nach Pokrowka!
— Ähm … also, Toma, da ist so eine Sache.
Du hast mir doch die Schlüssel dagelassen?
Hast du.
Du hast gesagt: „Pass auf alles auf.“
Na, und ich habe aufgepasst.
— Was redest du da für einen Unsinn?
— Ich habe dein Haus vermietet, Toma.
— AN WEN?! — Tamara Pawlowna setzte sich neben den Stuhl, direkt auf den Boden.
— Da sind Bauern gekommen, Armenier, glaube ich, oder Aserbaidschaner, ich kenne da keinen Unterschied.
Sie brauchten eine Unterkunft für ihre Brigade.
Gute Leute, sie haben für ein halbes Jahr im Voraus bezahlt.
Ich habe den Vertrag mit Vollmacht unterschrieben, erinnerst du dich?
Du hattest mir doch vor drei Jahren eine Generalvollmacht gegeben, als du dir das Bein gebrochen hattest.
Damit ich deine Rente für dich abholen konnte?
— Du … du hast mein Haus an irgendwelche Fremden vermietet?!
Ohne mich zu fragen?!
— Nun ja, warum sollte das Gute denn ungenutzt herumstehen? — erklärte Ljudmila frech.
— Du bist doch in die Stadt gefahren, um wie eine Dame zu leben.
Du hast selbst gesagt: „Mein Fuß wird dort nie wieder einen Schritt hineinsetzen.“
Und das Geld habe ich behalten.
Für die Mühe.
Und als moralischen Schadensersatz dafür, dass ich dir jahrelang deine Rotznase abgewischt habe.
— Ludka!
Du Miststück!
Raus mit ihnen, sofort!
Ich komme!
— Das wird nicht funktionieren, meine Liebe.
Der Vertrag ist offiziell.
Die Vertragsstrafe ist riesig.
Und die Jungs sind ernst zu nehmen, sie haben schon Geräte in den Hof gebracht und bauen Gewächshäuser auf.
Misch dich da lieber nicht ein, Toma.
Mit deiner Gesundheit ist Aufregung schädlich.
— Ich verklage dich!
Ich gehe zur Polizei!
— Geh nur.
Die Vollmacht ist echt.
Alles ist gesetzlich abgesichert.
Sitz in deiner Wohnung und freu dich.
Das wolltest du doch, oder?
Den Sohn hast du hinausgejagt, jetzt bist du Königin.
Leb damit.
Dann kamen wieder nur die Freizeichen.
Tamara Pawlowna ließ das Telefon fallen.
Es schlug auf das Parkett und rutschte unter das Sofa.
Sie blieb auf dem Boden sitzen.
Allein.
In einer fremden Zweizimmerwohnung, die sie ihrem eigenen Sohn abgerungen hatte.
Das zweite Zimmer, eben jenes nie zustande gekommene Kinderzimmer, lag hinter einer geschlossenen Tür.
Doch Tamara spürte, wie von dort Kälte ausging.
Sie hatte bekommen, was sie wollte.
Sie hatte alle besiegt.
— Schweine … — flüsterte sie in die Leere, doch in ihrer Stimme lag keine Kraft mehr.
— Alles Schweine …
Sie versuchte aufzustehen, doch ihre Beine gehorchten ihr nicht.
Die Angst, klebrig und kalt, umhüllte ihr Herz.
Sie begriff, dass ihre Schwester sie hereingelegt hatte.
Ljudka hatte sie absichtlich gegen Maxim aufgehetzt, sie absichtlich in die Stadt gelockt, um sich das Haus und das Land im Dorf unter den Nagel zu reißen.
Das Land dort war inzwischen teuer …
Tamara Pawlowna vergrub das Gesicht in den Händen und begann zu heulen.
Sie weinte nicht, sie heulte wirklich, wie ein geprügelter Hund.
Und irgendwo am anderen Ende der Stadt hing Maxim in einer kleinen gemütlichen Zweizimmer-Chruschtschow-Wohnung ein Regal an die Wand, während Nina im Nebenzimmer winzige Strampler in die Schubladen legte.
Dort war eine Familie.
Eine Familie, in der für Tamara Pawlowna kein Platz mehr war.
Und darin lag eine höhere Gerechtigkeit, die sie mit all ihrer Gier und Bosheit nie hatte begreifen können.
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