"Warum nimmst du mich? Du hast nichts. Jetzt hast du nichts mehr plus eine Frau, die nicht einmal das Brot sehen kann, das sie isst."
Sie hörte, wie er sich gegen den Türrahmen bewegte. "Vielleicht", sagte er leise, "ist es leichter, nichts zu haben, wenn man jemanden hat, mit dem man die Stille teilen kann."
Die folgenden Wochen waren ein langsames Erwachen. Im Haus ihres Vaters hatte Zainab in einem Zustand sensorischer Deprivation gelebt, wurde angewiesen, still zu sein, still zu sein, unsichtbar zu sein. Yusha tat das Gegenteil. Er wurde zu ihren Augen, aber nicht durch einfache Beschreibung. Er malte die Welt in ihrem Geist mit der Präzision eines Meisters.
"Die Sonne heute ist nicht nur gelb, Zainab", sagte er, während sie am Fluss saßen. "Es hat die Farbe eines Pfirsichs, kurz bevor er blaue Flecken bekommt. Es ist schwer. Es ist das Gefühl einer warmen Münze, die in deine Handfläche gedrückt wird."
Er brachte ihr die Sprache des Windes bei – wie das Rascheln der Pappeln sich vom trockenen Rasseln des Eukalyptus unterschied. Er brachte ihr wilde Kräuter, führte ihre Finger über die gezackten Minzkanten und die samtige Haut von Salbei. Zum ersten Mal in ihrem Leben war die Dunkelheit kein Gefängnis; Es war eine Leinwand.
Jeden Abend lauschte sie auf den Rhythmus seiner Rückkehr. Sie ertappte sich dabei, wie sie nach dem rauen Stoff seiner Tunika griff, ihre Finger verweilten auf dem gleichmäßigen Schlag seines Herzens. Sie verliebte sich in einen Geist, einen Mann, der von Armut und Güte geprägt war.
Aber Schatten verlängern sich immer, bevor sie verschwinden.
Eines Dienstags, ermutigt durch ihre neue Autonomie, brachte Zainab einen Korb zum Dorfrand, um Grün zu sammeln. Sie kannte den Weg – vierzig Schritte zum großen Stein, ein scharfer Links beim Duft der Gerberei, dann geradeaus, bis die Luft am Bach abkühlte.
"Schau dir das an", zischte eine Stimme. Es war eine Stimme wie zerbrochenes Glas. "Die Bettlerkönigin ist auf einem Spaziergang."
Zainab erstarrte. "Aminah?"
Ihre Schwester trat in ihren persönlichen Raum, der Geruch von teurem Rosenwasser war klebrig und erstickend. "Du siehst erbärmlich aus, Zainab. Wirklich. Zu denken, dass du ein Herrenhaus gegen eine Lehmhütte und einen Mann, der nach der Gosse riecht, eingetauscht hast."
"Ich bin glücklich", sagte Zainab, ihre Stimme zitterte, aber sicher. "Er behandelt mich, als wäre ich aus Gold. Etwas, das unser Vater nie verstanden hat."
Aminah lachte, ein hohes, scharfes Geräusch, das eine nahe Krähe erschreckte. "Gold? Oh, du armer, blinder Narr. Denkst du, er ist ein Bettler, weil er arm ist? Denkst du, das ist eine tragische Romanze?"
Aminah beugte sich vor, ihr Atem heiß an Zainabs Ohr. "Er ist kein Bettler, Zainab. Er ist eine Buße. Er ist der Mann, der alles in einem Glücksspiel verloren hat, das er nicht gewinnen konnte. Er bleibt nicht aus Liebe bei dir. Er bleibt bei dir, weil er sich versteckt. Er benutzt deine Blindheit als seinen Umhang."
Die Welt verstummte. Die Geräusche der Vögel, das Wasser, der Wind – all das war verschwunden, ersetzt durch ein Brüllen in Zainabs Ohren. Sie taumelte zurück, ihr Stock schlug gegen eine Wurzel und hätte sie fast zu Boden geworfen.
"Er ist ein Lügner", flüsterte Aminah. "Frag ihn nach dem 'Großen Feuer des Ostens'. Frag ihn, warum er sich in der Stadt nicht zeigen darf."
Zainab floh. Sie benutzte ihren Stock nicht; Sie rannte aus Instinkt und Qual, ihre Füße fanden aus purer Verzweiflung den Weg zurück zur Hütte. Sie saß stundenlang im Dunkeln, die kalte Erde sickerte in ihre Knochen.
Als Yusha zurückkehrte, fühlte sich die Luft anders an. Der Geruch von Holzrauch roch nun nach brennender Täuschung.
"Zainab?" fragte er, als er die Veränderung spürte. Er stellte ein kleines Päckchen auf den Tisch – vielleicht Brot oder ein Stück Käse. "Was ist passiert?"
"Warst du schon immer ein Bettler, Yusha?" fragte sie. Ihre Stimme war hohl, ein Schilf knackte im Wind.
Die folgende Stille war lang und schwer, schwer von den unausgesprochenen Dingen.
"Ich habe es dir einmal gesagt", sagte er, seine Stimme seiner poetischen Wärme beraubt. "Nicht immer."
Weiter zur nächsten Seite."
For complete cooking times, go to the next page or click the Open button (>), and don't forget to SHARE with your Facebook friends.