verheiratete seine Tochter

"Meine Schwester hat mich heute gefunden. Sie hat mir gesagt, du bist eine Lüge. Sie hat mir gesagt, du versteckst dich. Dass du mich – meine Dunkelheit – benutzt, um dich im Schatten zu halten. Sag mir die Wahrheit. Wer bist du? Und warum bist du in dieser Hütte mit einer Frau, die du mitnehmen solltest?"

Sie hörte ihn sich bewegen. Nicht weg von ihr, sondern zu ihr. Er kniete sich zu ihren Füßen, seine Knie schlugen mit einem dumpfen Geräusch auf den festgestopften Boden auf. Er nahm ihre Hände in seine. Sie zitterten.

"Ich war Arzt", flüsterte er.

Zainab zog sich zurück, hielt aber fest.

"In der Stadt gab es vor Jahren einen Ausbruch. Fieber. Ich war jung, arrogant. Ich dachte, ich könnte alle heilen. Ich arbeitete, bis ich delirierend war. Ich habe einen Fehler gemacht, Zainab. Ein Rechenfehler in einer Tinktur. Ich habe keinen Fremden getötet. Ich habe die Tochter des Provinzgouverneurs getötet. Ein Mädchen, das nicht älter als du ist."

Zainab spürte, wie die Luft den Raum verließ.

"Sie haben mir nicht nur meinen Titel genommen", fuhr Yusha fort, seine Stimme brach. "Sie haben mein Zuhause niedergebrannt. Sie erklärten mich für tot für die Welt. Ich wurde zum Bettler, weil es der einzige Weg war, zu verschwinden. Ich ging zur Moschee, um einen Weg zu finden, langsam zu sterben. Aber dann kam dein Vater. Er sprach von einer Tochter, die 'nutzlos' sei. Eine Tochter, die ein 'Fluch' war."

Er presste ihre Hände an sein Gesicht. Sie spürte die Feuchtigkeit von Tränen – nicht ihre, sondern seine.

"Ich habe dich nicht genommen, weil ich bezahlt wurde, Zainab. Ich habe dich genommen, weil ich beim Beschreiben erkannt habe, dass wir gleich sind. Wir waren beide Geister. Ich dachte... Ich dachte, wenn ich dich beschützen könnte, wenn ich dich durch meine Worte die Welt sehen lassen könnte, könnte ich vielleicht meine Seele zurückgewinnen. Aber dann habe ich mich in den Geist verliebt. Und das war nie Teil des Plans."

Zainab saß wie erstarrt da. Der Verrat war da, ja – die Lüge seiner Identität – aber er war in eine viel schmerzhaftere Wahrheit eingehüllt. Er war kein Bettler des Schicksals; Er war freiwillig Bettler, ein Mann, der in einem selbst auferlegten Fegefeuer lebte.

"Das Feuer", flüsterte sie. "Aminah erwähnte ein Feuer."

"Meine Vergangenheit brennt", sagte er. "Ich habe nichts mehr von diesem Mann, Zainab. Nur das Wissen, wie man heilt. Ich habe nachts heimlich die Kranken im Dorf behandelt. Daher kommt das zusätzliche Kupfer. So habe ich letzte Woche deine Medizin gekauft."

Zainab streckte die Hand aus, ihre Finger zitterten, während sie die Konturen seines Gesichts nachzeichneten. Sie fand den Nasenrücken, die Hohlräume seiner Wangen, die Nässe seiner Augen. Er war nicht das Monster, das ihre Schwester beschrieben hatte. Er war ein Mann, der von seiner eigenen Menschlichkeit zerbrochen war und versuchte, die Puzzleteile wieder mit ihren zusammenzufügen.

"Du hättest es mir sagen sollen", sagte sie.

"Ich hatte Angst, dass du, wenn du wüsstest, dass ich Arzt bin, mich bitten würdest, das eine zu reparieren, was ich nicht kann", brachte er hervor. "Ich kann dir dein Augenlicht nicht geben, Zainab. Ich kann dir nur mein Leben geben."

Die Spannung im Raum riss. Zainab zog ihn näher zu sich und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge. Die Hütte war klein, die Wände dünn und die Welt draußen grausam, aber mitten im Sturm waren sie keine Geister mehr.

Jahre vergingen.

Die Geschichte des "Blinden Mädchens und des Bettlers" wurde im Dorf zur Legende, obwohl sich das Ende im Laufe der Zeit änderte. Die Leute bemerkten, dass sich die kleine Hütte am Flussufer verwandelt hatte. Es war nun ein Haus aus Stein, umgeben von einem Garten, der so duftend war, dass man ihn allein vom Geruch durchqueren konnte.

Sie stellten fest, dass der "Bettler" tatsächlich ein Heiler war, dessen Hände Fieber besser lindern konnten als jeder teure Chirurg in der Stadt. Und sie bemerkten, dass die blinde Frau mit einer Anmut ging, die sie so wirken ließ, als sähe sie Dinge, die andere übersehen hatten.

An einem Herbstnachmittag hielt eine Kutsche vor dem Steinhaus. Malik, gealtert und von seiner eigenen Bitterkeit verdorrt, trat heraus. Sein Schicksal hatte sich gewendet; seine anderen Töchter hatten Männer geheiratet, die ihn ausgelaugt hatten, und sein Nachlass war in Nachlassabwicklung. Er war gekommen, um das "Ding" zu finden, das er weggeworfen hatte, in der Hoffnung auf einen Platz zum Abruhen seines Kopfes.

Er fand Zainab im Garten sitzen, wie sie mit geübter Leichtigkeit einen Korb webte.

"Zainab", krächzte er und benutzte zum ersten Mal ihren Namen.

Sie blieb stehen, neigte den Kopf in Richtung des Geräuschs. Sie stand nicht auf. Sie lächelte nicht. Sie lauschte einfach dem Geräusch seines keuchenden Atems, dem Klang eines Mannes, der endlich den Wert dessen erkannt hatte, was er weggeworfen hatte.

"Der Bettler ist weg", sagte sie leise. "Und das blinde Mädchen ist tot."

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