Der Ehemann unterschrieb vor dem Anwalt triumphierend die Vermögensaufteilung.

Er wusste nicht, dass ich am Vortag zu demselben Anwalt gegangen war.

— Du verstehst doch, Walja, dass ich dir entgegenkomme? — Oleg setzte mit schwungvoller, beinahe husarenhafter Eleganz seine Unterschrift auf die letzte Seite.

 

— Ich überlasse dir die Wohnung deiner Mutter.

Komplett.

Ohne irgendwelche Anteile und Prozesse.

Einfach, weil ich ein Mensch bin und kein Taschenrechner.

Leb, freu dich.

Erinnere dich an meine Güte.

Er lehnte sich in den Rücken des Lederstuhls zurück und sah den Anwalt an, als wolle er ihn zum Zeugen seines beispiellosen Edelmu ts machen.

Der Anwalt, ein trockener Mann mit Brille und dicken Gläsern, bewahrte professionelles Schweigen.

An der Ecke der Vereinbarung war ein alter Teefleck zu sehen — klein, formlos, den Umrissen irgendeiner verlassenen Insel ähnlich.

Ich sah auf diesen Fleck und spürte, wie sich in mir ein schwerer, kalter Klumpen regte.

Es war kein Triumph.

Es war keine Trauer.

Es war genau jenes Gefühl, das ein Mensch hat, wenn er sieht, wie ein anderer mit Anlauf in einen Brunnen springt und denkt, dort sei ein Becken voller Champagner.

— Du unterschreibst den Verzicht auf alle Ansprüche an meinem Anteil am Geschäft und am Landhaus, — erinnerte Oleg und rückte seine goldene Uhr zurecht.

— Im Gegenzug bekommst du das „Familiennest“.

Alles fair.

Und Inga, deine Schwester, wird uns nicht mehr mit ihren Klagen auf die Nerven gehen.

Mit ihr habe ich mich geeinigt.

Sie nimmt die Reste von Mamas Ersparnissen und wäscht ihre Hände in Unschuld.

Meine Schwester Inga.

Genau die, mit der wir nach dem Tod unserer Mutter drei Jahre lang nicht gesprochen hatten.

Inga, die immer meinte, man habe ihr „zu wenig gegeben“.

Und Oleg, der immer meinte, er habe „zu viel gegeben“.

In diesem Zimmer wurde jetzt nicht Besitz aufgeteilt.

Hier wurden Illusionen aufgeteilt.

— Unterschreib, Walja.

Zieh die Zeit nicht in die Länge.

Der Anwalt ist ein beschäftigter Mensch, — Oleg schob mir den schweren Stift zu.

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