„Lenotschka, warum sitzt du nur über der Tasse? Trink, solange er heiß ist. Das ist doch nicht einfach nur Tee, das ist Balsam!“
Die Stimme meiner Schwiegermutter, Galina Petrowna, floss wie Sirup.
Süß, zähflüssig, einhüllend.
Sie stand über mir, die Hände in ihre breiten Hüften gestemmt, die von einem Hausanzug aus Velours in der Farbe „staubige Rose“ umspannt wurden.
„Jetzt gleich?“
Ich hob den Blick vom Laptop.
„Natürlich!
Kräuter darf man nicht lange ziehen lassen, sie oxidieren.
Ich habe auch Johanniskraut und Borowaja Matka hineingetan.
Extra für dich habe ich es in der Apotheke in der Lenin-Straße bestellt.
Du musst deinen Körper jetzt stärken.“
Ich seufzte.
Ich schob den Prüfbericht zur Seite.
Ich nahm die Tasse.
Es roch nach Heu, Minze und noch etwas anderem.
Etwas Bitterem.
Etwas Chemischem.
„Danke, Galina Petrowna.“
„Trink, trink.
Am Boden ist das Nützlichste, lass den Satz nicht übrig.“
Ich nahm einen Schluck.
Die Bitterkeit verbrannte mir die Zunge.
Die Schwiegermutter nickte zufrieden, strich sich ihre perfekt sitzenden grauen Locken zurecht und glitt ins Wohnzimmer, wo mein Mann, Witalik, Fußball schaute.
Ich blickte auf die dunkle Flüssigkeit in der Tasse.
Ich bin zweiunddreißig.
Ich bin leitende Auditorin in einer großen Beratungsfirma.
Ich verdiene hundertfünfzigtausend Rubel im Monat, fahre einen Mazda und kann Fehler in Berichten finden, in denen Millionen versteckt werden.
Aber zu Hause verwandle ich mich in ein gehorsames Mädchen, das bitteren Kräutertee trinkt, weil die Mutter meines Mannes „nur das Beste will“.
Wir sind seit sieben Jahren verheiratet.
Kinder haben wir nicht.
Zuerst machten wir Karriere.
Dann klappte es irgendwie nicht.
Zwei Jahre lang liefen wir zu Ärzten.
Zwei erfolglose IVF-Versuche.
Eineinhalb Millionen Rubel ausgegeben.
Den Kredit für den zweiten Versuch haben wir erst im letzten Monat abbezahlt.
Die Diagnose lautete: „unklare Genese“.
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