Ich ging zu einem neuen Gynäkologen und erwartete eine routinemäßige Untersuchung. Doch kaum hatte er die Untersuchung beendet, runzelte er die Stirn und fragte in einem merkwürdigen Ton, wer mich zuvor behandelt habe.
Ich antwortete ganz selbstverständlich, dass es mein Mann gewesen sei, der ebenfalls Gynäkologe ist. Dann wurde die Stille im Raum schwer – fast unerträglich.
Er starrte mich mehrere Sekunden lang an, die sich endlos anfühlten, und sagte mit einer Ernsthaftigkeit, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:
„Wir müssen sofort Tests durchführen. Was ich hier sehe, sollte nicht da sein.“
In diesem Moment fühlte es sich an, als hätte sich der Boden unter meinen Füßen aufgelöst.
Ich ging zu diesem neuen Gynäkologen fast automatisch, wie jemand, der einfach einen weiteren Punkt auf der Liste der „verantwortungsvollen Dinge für Erwachsene“ abhakt. Ich hatte meine jährliche Untersuchung viel zu lange hinausgeschoben, und Diego hatte mich seit Wochen daran erinnert.
„Mach einen Termin bei jemandem Zuverlässigen, am besten im öffentlichen Krankenhaus. Dann denkt niemand, ich würde dich aus Bevorzugung behandeln“, hatte er scherzhaft gesagt.
Dieser Märztag in Madrid war kalt, und ich trug noch meinen Mantel, als die Krankenschwester meinen Namen aufrief.
„Lucía Martín.“
Die Praxis von Dr. Álvaro Serrano war hell, mit einem großen Fenster, das auf eine ruhige Straße in Chamberí blickte. Er schien Anfang vierzig zu sein, mit leicht ergrautem Haar, schmaler Brille und einer zurückhaltenden, fast schüchternen Freundlichkeit.
Er stellte die üblichen Fragen: Krankengeschichte, Zyklen, Schwangerschaften. Ich nickte und antwortete knapp.
Als ich erwähnte, dass mein Mann ebenfalls Gynäkologe sei und in einer Privatklinik in Salamanca arbeite, hob Álvaro mit leichter Neugier eine Augenbraue.
„Dann sind Sie das ja alles schon gewohnt“, scherzte er, um die Stimmung aufzulockern.
Ich lächelte höflich. In Wahrheit hatten wir, seit Diego seine eigene Klinik eröffnet hatte, vermieden, dass er mein Arzt ist.
„Ich finde es schwierig, bei dir Privates und Berufliches zu trennen“, hatte er einmal gesagt, als wäre dieses Geständnis selbst ein Beweis seiner Liebe.
Die Untersuchung begann wie jede andere: Handschuhe, kaltes Licht, kurze Anweisungen. Ich starrte an die Decke, auf die typische Platte mit Wolken, die beruhigend wirken sollte, mir aber immer lächerlich vorkam. Ich hörte, wie er die Instrumente wechselte. Der Stuhl bewegte sich leicht. Mir fiel auf, dass er sich weiter vorbeugte als üblich – und dass er ungewöhnlich lange schwieg.
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