„In diesem Haus wird man dich nur wegen meines Sohnes geduldet. Benimm dich ruhig, sonst werde ich dich von hier hinauswerfen“, sagte die Schwiegermutter zur Witwe ihres Sohnes. Doch kaum legte die Schwiegertochter ein Dokument vor sie hin, erstarrte die Schwiegermutter vor Schock
Emily stellte vorsichtig eine Porzellantasse auf den Tisch und versuchte, kein Geräusch zu machen. In dieser Wohnung konnte jede ungeschickte Bewegung Victoria irritieren. Die ältere Frau saß ihr gegenüber, aufrecht, als befände sie sich bei einem offiziellen Empfang. Sie trug ihren gewohnten grauen Cardigan, und ihre Finger, geschmückt mit mehreren alten Ringen, spielten nervös mit dem Rand der Tischdecke. Emily wusste längst: Wenn sie so anfängt, wird das Gespräch bald unangenehm.
— Du hast schon wieder einen anderen Zucker gekauft, — sagte Victoria leise, ohne ihre Schwiegertochter anzusehen. — Dieser löst sich sofort auf, er hat nicht einmal einen richtigen Geschmack. Aber ich wundere mich nicht. Du kaufst immer das Billigste.
Emily widersprach nicht. In den Jahren ihres Zusammenlebens hatte sie gelernt, auf solche Bemerkungen nicht zu reagieren. Sie sah auf die Tasse vor sich und dachte unwillkürlich an Daniel. Einst hatte er gesagt, dass diese Wohnung ihr Zuhause werden würde und dass hier alles wirklich ruhig sein würde.
— Im Laden gab es nur diesen, — antwortete sie ruhig.
Victoria winkte gereizt mit der Hand.
— Bei dir ist immer alles gleich: Geschäfte, Hausarbeit, endlose Ausreden. Aber die Wahrheit ist, dass du in einer Wohnung lebst, die dir nicht gehört. Heute habe ich bemerkt, dass du die Vase im Wohnzimmer verschoben hast. Diese Vase hat noch meine Mutter gekauft. Und du benimmst dich hier, als wäre es dein Haus.
Endlich sah sie Emily an, und in ihrem Blick lag kalte Gewissheit.
— Sagen wir ehrlich: Du bist nur hier, weil mein Sohn ein zu weicher Mensch war. Daniel hat dich aus deinem Studentenwohnheim hierhergebracht, dir seinen Nachnamen gegeben und ein normales Leben. Ohne ihn würdest du noch immer irgendwo am Stadtrand ein Zimmer mieten.
Emily spürte, wie sich in ihr ein schweres Gefühl erhob. Solche Gespräche begannen nach Daniels Tod. Seit diesem Unfall erinnerte Victoria immer häufiger daran, dass die Wohnung ihrer Familie gehörte.
Für einen Moment erinnerte sich Emily an den Tag, als sie zum ersten Mal diese Wohnung betraten. Daniel lachte damals, umarmte sie und sagte, dass sie nun endlich ihr eigenes Zuhause hätten.
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