Eine kalte Nacht und ein brennendes Fieber
Die Nacht war scharf und bitter geworden, als Maya ihr kleines Mädchen festhielt und spürte, wie der winzige Körper Wärme durch zwei Kleidungsschichten ausstrahlte.
Lily war erst drei. Sie schrie nicht, nicht wirklich. Sie machte dieses kleine, erschöpfte Wimmern, das Kleinkinder von sich geben, wenn sie schon zu viel geweint haben. Ihre Wangen waren gerötet, ihre Wimpern feucht, ihre Augen hell auf eine Weise, die Maya mehr erschreckte als jedes laute Schluchzen.
Das Thermometer zeigte knapp unter 104°F.
Panik stieg schnell auf, heiß in Mayas Brust.
"Ist schon okay, Liebling. Ich hab dich." flüsterte sie, auch wenn ihre Hände zitterten, als sie ein Taxi rief. Es war fast 22 Uhr. Die Straßen der Innenstadt von Chicago wirkten leer, als wäre die Stadt eingeschlafen, ohne ihr Bescheid zu sagen.
Vor zwei Wochen war Maya zur Arbeit zurückgekommen. Ein Job in einem Luxushotel. Bessere Bezahlung. Bessere Arbeitszeiten. Eine Chance, endlich aus dem Überlebensmodus herauszukommen.
Es bedeutete auch, an den Ort zurückzukehren, an dem ihr Herz gebrochen worden war.
Sie kam nicht zurück, um Erinnerungen zu sammeln.
Sie kam für Lily zurück.
Das Taxi hielt vor dem St. Luke's Medical Center, hell und sauber gegen den dunklen Himmel. Maya bezahlte, sprang heraus und rannte hinein, Lily an ihrer Schulter gedrückt.
Eine Empfangsdame warf einen Blick darauf und zeigte.
"Pädiatrische Notfallpraxis. Flur zu deiner Linken. Zimmer drei."
Maya nickte und bewegte sich rein instinktiv.
Sie saß im Wartebereich, wiegte Lily und summte leise, so wie ihre Mutter es früher summte, wenn Stürme über ihr kleines Bauernhaus zu Hause zogen. Andere Eltern saßen verstreut, aber Maya konnte sie nicht wirklich sehen. Die Zeit dehnte sich und verzerrte sich. Jede Minute fühlte sich wie eine Herausforderung an.
Dann rief eine Krankenschwester: "Lily Harper?"
Maya stand so schnell auf, dass ihre Knie zitterten. Sie verstärkte ihren Griff und folgte der Krankenschwester einen hellen Flur entlang, der von weißen Türen gesäumt war.
Im Zimmer drei öffnete die Krankenschwester die Tür und trat zur Seite.
"Geh ruhig rein. Dr. Julian wird gleich bei Ihnen sein."
Der Name traf Maya wie ein plötzlicher Fall.
Julian.
Nein. Das konnte nicht sein.
Es gab tausend Männer namens Julian.
Sie holte vorsichtig Luft und betrat den Raum, wobei sie Lilys Gesicht im Blick behielt.
Und dann hörte sie die Stimme.
Genau die Stimme, die drei Jahre lang in ihrem Hinterkopf gelebt hatte. Die Stimme, die früher ihren Namen sagte, als wäre er etwas Kostbares.
"Guten Abend. Ich bin Dr. Julian Carter. Schauen wir uns deinen Kleinen mal an."
Maya hob die Augen.
Die Welt blieb stehen.
Da war er. Echt. Er stand in einem weißen Kittel, das Stethoskop um den Hals, braune Augen ruhig und vertraut. Ein bisschen älter. Ein bisschen schlanker. Eine schwache Narbe an seiner Schläfe, die früher nicht da war.
Aber unverkennbar er.
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