**„Trink das!“** lachte der Direktor höhnisch, nachdem er der Praktikantin verdorbenen Kaffee übergegossen hatte.

Er wusste nicht, dass vor ihm die Vizepräsidentin des Konzerns stand.

Die klebrige, kalte und unglaublich saure Brühe rann langsam über Antoninas schlichten grauen Pullover.

 

Der dicke, scharfe Geruch von saurer Milch und abgestandenem Kaffeesatz erfüllte sofort den engen Pausenraum, in dem es ständig nach altem Linoleum und einer kaputten Mikrowelle roch.

Dunkle Tropfen fielen mit dumpfem Klopfen auf den Boden und hinterließen braune Schlieren.

„Na, erfrischt?“

Stanislaw, der Direktor der größten Regionalfiliale des Logistikunternehmens, schnaubte zufrieden und warf die leere Glaskanne in die Spüle.

„Trink das, wenn ich es dir sage!

Oder soll ich dir noch mehr nachgießen?

Dann wirst du schon wissen, was es heißt, dich in Dinge einzumischen, die dich nichts angehen, und mir gleich am frühen Morgen die Laune zu verderben.“

In seiner eigenen kleinen Welt, verloren Hunderte Kilometer vom Hauptstadtbüro entfernt, war Stanislaw längst daran gewöhnt, mit einem einzigen Federstrich über das Schicksal von Menschen zu entscheiden.

Und schon gar nicht hatte er vor, die Frechheit irgendeiner neuen Mitarbeiterin aus dem Archiv zu dulden, die es gewagt hatte, Fragen zu verschwundenen Frachtpapieren zu stellen.

Antonina rührte sich nicht vom Fleck.

Sie versuchte nicht einmal, die Tropfen von ihren Wangen zu wischen.

In ihrem ruhigen Blick lag kein Funken Angst.

„Sie hätten das lieber nicht tun sollen, Stanislaw Jurjewitsch“, sagte die Frau leise, aber bestimmt.

„Du wagst es auch noch, mir zu antworten?“

Er machte einen Schritt nach vorn und atmete laut.

Deutlich roch er nach den starken Getränken vom Vortag.

„Pack deine Papiere zusammen und verschwinde von hier!

Du bist fristlos entlassen, und ich stelle dir eine solche Beurteilung aus, dass man dich nicht einmal zum Treppenhausputzen nimmt!“

Antonina sah ihn an, ohne zu blinzeln.

Dieser Mensch war nur ein kleines Zahnrad in einem riesigen Mechanismus des Betrugs, den sie gekommen war zu stoppen.

Zwei Wochen zuvor.

Moskau, Zentrale des Logistikgiganten.

Das geräumige Büro im achtundfünfzigsten Stock glänzte vor Sauberkeit.

Hinter dem massiven Schreibtisch saß Antonina Sergejewna, Senior-Vizepräsidentin für operative Revision.

In der Konzernwelt wurde ihr Name mit tiefem Respekt ausgesprochen.

Sie hatte sich ihren Weg durch ehrliche Arbeit gebahnt, vor zwanzig Jahren als einfache Disponentin begonnen und kannte jede Schattenseite des Geschäfts.

Vor ihr auf dem Tisch lag ein Stapel ausgedruckter Briefe.

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