Dimka verstummte.
Dann murmelte er:
— Na gut, wir reden noch.
Eine Woche später wurde Lena zu einem „Familienrat“ gerufen.
Zum ersten Mal seit achtzehn Jahren hatte man sie gnädigerweise eingeladen, an einer Besprechung von Familienangelegenheiten teilzunehmen.
Man traf sich bei Viktor — in genau jener Zweizimmerwohnung, für die die Eltern ihm eine Million gegeben hatten.
Lena trat ein und sah sich um.
Frische Renovierung, Möbel von IKEA, an der Wand ein riesiger Fernseher.
— Setz dich, — brummte Viktor. — Trinkst du Tee?
— Ja.
Am Tisch saßen die Brüder und ihre Frauen.
Swetlana, Viktors Frau, sah sie mit schlecht verhohlener Gereiztheit an.
Marina, Serjogas Ehefrau, lächelte so, dass man nachsehen wollte, ob ihr etwas zwischen den Zähnen steckte.
Dimkas Olya starrte auf ihr Handy.
— Also gut, — begann Viktor. — Wir haben alles besprochen. Mama zieht nächsten Samstag zu dir. Serjoga bringt die Sachen mit dem Auto.
Lena stellte die Tasse auf den Tisch.
— Nein.
— Was heißt nein?
— Mama zieht nicht zu mir.
Swetlana schnaubte.
— Na also, jetzt geht es los. Ich habe doch gesagt, sie stellt sich quer.
— Moment, — Viktor hob die Hand. — Lena, erklär dich.
— Ich erkläre es. Vor achtzehn Jahren haben die Eltern das Haus verkauft. Drei Millionen. Jeder von euch bekam eine Million. Ich bekam nichts. Mir wurde gesagt — mein Mann werde für mich sorgen.
— Na und jetzt?
— Und jetzt wollt ihr, die ihr das Geld der Eltern bekommen habt, dass ich die Pflege der Mutter auf mich nehme. Kostenlos. Weil ich eine Frau bin und alleinstehend.
Serjoga verzog das Gesicht.
— Schon wieder fängst du mit dem Geld an.
— Ja, mit dem Geld, — Lena zog eine Mappe aus ihrer Tasche. — Ich habe mich vorbereitet.
Sie legte die Papiere auf den Tisch.
Auszüge aus dem Grundbuch für die Wohnungen der Brüder.
Kopien der Schenkungsverträge — die Eltern hatten alles offiziell, über einen Notar, geregelt.
— Hier. Viktor Sergejewitsch Klimow, Schenkungsvertrag über eine Million Rubel, Jahr zweitausendsieben. Sergej Sergejewitsch Klimow, dasselbe. Dmitri Sergejewitsch Klimow — ebenfalls eine Million. Jelena Sergejewna Gorelowa, geborene Klimowa — nichts. Null.
Die Brüder sahen einander an.
— Und was willst du damit sagen? — fragte Viktor.
— Ich will sagen, dass die Pflege von Mama entsprechend dem verteilt werden muss, was jeder bekommen hat. Ihr habt damals jeweils eine Million bekommen — das wären heute, inflationsbereinigt, ungefähr viereinhalb Millionen. Ich habe nichts bekommen. Dementsprechend beträgt euer Anteil an der Pflege hundert Prozent. Meiner — null.
— Das ist zynisch, — zischte Swetlana.
— Das ist Arithmetik.
— Und was ist mit der Pflicht einer Tochter? — mischte sich Marina ein. — Sie hat dich doch geboren, aufgezogen.
— Eure Söhne hat sie auch geboren und aufgezogen. Aber die Söhne halten sich irgendwie heraus.
— Wir haben Familien, — platzte es aus Serjoga heraus. — Kinder. Wir können nicht.
— Und ich kann? — Lena sah ihm in die Augen. — Ihr habt eine Dreizimmerwohnung, siebzig Meter. Viktor hat eine Zweizimmerwohnung mit fünfzig. Dimka auch. Und ich — eine Einzimmerwohnung mit achtunddreißig. Und diese Einzimmerwohnung habe ich selbst verdient, ohne Hilfe der Eltern. Wer von uns sollte also Platz machen?
Im Zimmer wurde es still.
— Du erpresst uns, — sagte Viktor schließlich. — Mit diesen Dokumenten.
— Ich zeige Tatsachen. Ihr habt Geld fürs Wohnen bekommen. Ich nicht. Ihr lebt in geräumigen Wohnungen. Ich in einer Einzimmerwohnung. Und jetzt verlangt ihr, dass ich meine achtunddreißig Quadratmeter und mein Leben für die Pflege von Mama hergebe. Das ist keine Erpressung, Witek. Das ist die Wahrheit, die ihr nicht sehen wollt.
Dimkas Olya riss sich endlich vom Handy los.
— Leute, vielleicht sollten wir einfach eine Pflegekraft einstellen? Eine richtige, mit Unterkunft?
— Mindestens fünfundvierzigtausend im Monat, — antwortete Serjoga sofort. — Wo sollen wir so viel Geld hernehmen?
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