Sie gab mir sogar dann noch Mischungen mit, als sie getrennt von uns wohnte.
„Für die Immunität.“
„Für die weibliche Kraft.“
Ich erinnerte mich, wie sie mitleidig den Kopf schüttelte, wenn ich weinend vom Arzt zurückkam.
„Ach, Kindchen, nichts ist verloren.
Offenbar ist es nicht dein Schicksal.
Gott gibt es nicht.“
Gott.
Sie spielte Gott.
Sie entschied, wer geboren werden durfte und wer nicht.
—
Ich ging aus dem Büro.
Ich setzte mich ins Auto.
Ich musste Luft bekommen.
Ich fuhr nicht nach Hause.
Ich fuhr zum Haus von Tamara Iljinitschna.
Ich parkte im Hof.
Ich wusste, dass meine Schwiegermutter heute dort war — sie wollten über Tamaras Jubiläum sprechen.
Die Fenster im zweiten Stock standen offen.
Sommer, Hitze.
Ich ging hoch.
Ich trat an die Tür.
Sie stand einen Spalt offen — altes Haus, Eingang mit Gegensprechanlage, tagsüber schlossen sie oft nicht ab, damit es durchziehen konnte.
Ich hörte Stimmen.
„…wie lange soll man denn noch warten, Galja?
Swetotschka ist schon achtundzwanzig.
Sie muss heiraten.
Verehrer hat sie genug, aber sie ist ja in deinen Witalik verliebt wie eine Katze.“
„Tomotschka, hab Geduld.“
Die Stimme meiner Schwiegermutter.
Ruhig, sicher.
„Steter Tropfen höhlt den Stein.
Lena ist mit den Nerven ohnehin schon am Ende.
Noch ein paar Monate mit leeren Tests — und sie dreht von selbst durch.
Oder Witalik hält es nicht mehr aus.
Ein Mann braucht einen Erben.
Und sie ist eine Fehlblüte.“
„Und was, wenn es bei ihnen doch klappt?
Die Ärzte vollbringen heute Wunder.“
„Es wird nicht klappen.“
Ein kurzes, böses Lachen.
„Ich achte schon darauf.
Ich habe ein zuverlässiges Rezept.
Solange ich ihr meinen Tee einflöße, wird dort Wüste sein und keine Gebärmutter.“
„Oh, du gehst da aber ein Risiko ein, Galja.“
„Für normale Enkel ist keine Sünde zu groß.
Ich brauche deine Swetotschka.
Vollsaftig und gesund, der Vater in guter Position, eine Dreizimmerwohnung im Zentrum.
Und diese hier?
Eine Provinzlerin mit Hypothek.
Sie hat sich an meinen Sohn festgebissen, kann weder gebären noch Borschtsch kochen.
Nichts.
Na warte, bald werfe ich sie hinaus.
Witalik zweifelt schon.
Ich träufle ihm jeden Tag etwas ein: ‚Sie ist krank, Sohn, schlechte Gene.‘
Und er glaubt mir.“
Ich stand hinter der Tür.
Das Telefon in meiner Hand.
Das Diktiergerät lief.
Fünf Minuten.
Ich nahm alles auf.
Von der „Fehlblüte“.
Vom „zuverlässigen Rezept“.
Von den „schlechten Genen“.
Ich ging wieder hinunter.
Ich setzte mich ins Auto.
Es gab keine Tränen.
Nur Wut.
—
Am Abend bereitete ich ein Abendessen vor.
„Selbst.“
Ich bestellte die Speisen im Restaurant, legte sie auf Teller um.
Ente mit Äpfeln, Salate, Kuchen.
Ich kaufte eine Torte.
Witalik kam um sieben.
Galina Petrowna um halb acht.
Zufrieden, gerötet.
„Oh, gibt es irgendeinen Feiertag?“, wunderte sich mein Mann.
„Es gibt einen Anlass“, lächelte ich.
„Welchen?“, fragte die Schwiegermutter misstrauisch.
„Bist du doch noch schwanger geworden?“
In ihren Augen blitzte Angst auf.
Für eine Sekunde.
„Nein, Galina Petrowna.
Setzen Sie sich.
Wir trinken Tee.“
Ich holte das schöne Service hervor.
Ich stellte die Tassen auf.
Ich kochte Tee auf.
Ganz normalen schwarzen Tee.
Und dann holte ich aus der Tasche das Glas.
Dasselbe.
Mit der Aufschrift „Frauenmischung.
Lena“.
„Was ist das?“, fragte die Schwiegermutter.
Ihre Stimme zitterte.
„Ihr Tee, Mama.“
Zum ersten Mal nannte ich sie Mama.
„Sie haben doch gesagt, er sei sehr gesund.
Für die Gesundheit.“
Ich schüttete großzügig Kräuter in die Teekanne.
For complete cooking times, go to the next page or click the Open button (>), and don't forget to SHARE with your Facebook friends.