**„Fahr morgen nicht zu deiner Schwiegermutter ins Dorf“, sagte die alte Frau.**

„Welcher Markt?“

„Ich spüre meine Beine nicht.“

„Wir kaufen morgen unterwegs im Supermarkt alles ein.“

„Mama kann gekaufte Backwaren nicht ausstehen!“, sagte er lauter und schob gereizt die Tasse weg.

„Wir waren seit anderthalb Monaten nicht bei ihr.“

„Sie bereitet sich vor, sie wartet.“

„Und du machst wieder alles in letzter Minute.“

„Bei dir steht die Arbeit immer an erster Stelle.“

Oksana sah ihren Mann an.

Auf sein unzufriedenes Gesicht, auf die Brotkrümel auf dem Tisch, die er nicht einmal weggewischt hatte.

Und plötzlich tauchten die Worte der alten Frau in ihrer Erinnerung so klar auf, als stünde sie direkt hinter ihrer Schulter.

„Ich fahre nirgendwohin“, sagte Oksana leise.

Denis runzelte die Stirn, offensichtlich hatte er mit so einer Wendung nicht gerechnet.

„Was soll das heißen?“

„Machst du das jetzt aus Trotz gegen mich?“

„Nein.“

„Ich bin einfach vor Müdigkeit völlig fertig.“

„Wenn ich morgen zu Margarita Wassiljewna fahre und dort unter ihren Seufzern darüber, was für eine untaugliche Ehefrau ich bin, am Tisch bedienen muss, dann raste ich einfach aus.“

„Fahr allein.“

„Sag, ich bin krank geworden.“

Denis stand vom Tisch auf.

Sein Gesicht bekam rote Flecken.

„Großartig.“

„Einfach großartig.“

„Also fahre ich allein.“

„Und wage es ja nicht, mich später zu bitten, dass ich dich vor ihr in Schutz nehme.“

Er ging ins Schlafzimmer und knallte die Tür heftig zu.

Nur der Kühlschrank summte monoton in der Ecke.

Am Morgen redeten sie fast nicht miteinander.

Denis packte demonstrativ laut seine Sporttasche, ließ die Schlüssel klirren.

Er trank den Kaffee im Stehen, ohne ihn ihr auch nur anzubieten.

„Ich komme Sonntagabend zurück“, warf er hin, während er die Jacke anzog.

„Langweile dich hier nicht.“

Die Tür fiel ins Schloss.

Oksana trat ans Fenster und umarmte sich selbst.

Denis’ alter Toyota bog aus dem Hof und verschwand um die Ecke.

Die Fahrt bis ins Dorf dauerte höchstens eine Stunde.

Gegen zehn Uhr morgens hätte er dort sein müssen.

Um elf hielt Oksana es nicht mehr aus und wählte seine Nummer.

„Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar.“

Um zwölf dasselbe.

Sie begann, in der Wohnung aufzuräumen, nur um ihre Hände irgendwie zu beschäftigen.

Sie putzte den Herd und sortierte die Sachen im Schrank.

Merkwürdig war, dass auch ihre Schwiegermutter nicht anrief.

Wenn Denis allein angekommen wäre, hätte Margarita Wassiljewna ihr schon längst mit Vorträgen über die eheliche Pflicht das Telefon heißlaufen lassen.

Um drei Uhr nachmittags erschien auf dem Display ihres Handys eine unbekannte Nummer.

„Hallo.“

„Oksana Wladimirowna?“, fragte eine trockene Stimme mit metallischem Klang.

„Hier spricht Verkehrsinspektor Hauptmann Makarow.“

„Ihr Mann hatte einen Verkehrsunfall auf dem zweiunddreißigsten Kilometer der Fernstraße.“

Der Spülschwamm fiel Oksana direkt ins Seifenwasser aus der Hand.

„Was ist mit ihm?“

„Er lebt.“

„Der Brustkorb hat einiges abbekommen, Verdacht auf eine schwere Schulterverletzung.“

„Auf dem Abschnitt gibt es keinen Handyempfang, dann mussten wir alles aufnehmen, dann noch den Abschleppwagen rufen …“

„Der Krankenwagen bringt ihn bereits ins Bezirkskrankenhaus.“

„Kommen Sie mit den Dokumenten dorthin.“

Oksana erinnerte sich nicht daran, wie sie ein Taxi gerufen hatte, wie sie über die graue, schlammige Straße gefahren war.

Der Fahrer hörte die ganze Zeit irgendein monotones Radio, und sie starrte nur auf die Scheibenwischer, die schmutziges Wasser von der Scheibe wischten.

Im Aufnahmebereich roch es nach Chlor und altem Linoleum.

For complete cooking times, go to the next page or click the Open button (>), and don't forget to SHARE with your Facebook friends.